Depressionen beim Partner: Wenn Sie selbst nicht mehr können
Autorin: Kathleen Kunze | Aktualisiert: Januar 2026
Das wichtigste in Kürze
Wenn Ihr Partner / Ihre Partnerin an Depressionen leidet,
sind Sie als Angehöriger besonders belastet – Studien zeigen: 77 % der Partner erleben die Situation als schwere Bürde.¹
Sie können die Depression nicht „weglösen“
– aber Sie können lernen, wie Sie unterstützen, ohne sich selbst zu verlieren.
Als Heilpraktikerin für Psychotherapie und systemische Therapeutin (DGSF zertifiziert) begleite ich auch Partner von Betroffenen – in meiner Praxis in Seewald – Schernbach, ohne lange Wartezeiten.
Depressionen beim Partner verändern alles. Der Mensch, den Sie lieben, zieht sich zurück. Gespräche verlaufen im Sand. Intimität fühlt sich an wie eine ferne Erinnerung. Sie geben und geben – und fragen sich abends: Wie lange halte ich das noch durch?
Vielleicht haben Sie niemandem erzählt, wie erschöpft Sie wirklich sind. Hier im Nordschwarzwald, wo man „schaffig“ ist und nicht jammert, fällt es besonders schwer zuzugeben: Ich kann nicht mehr.
Vielleicht trauern Sie. Nicht um einen Menschen, der gestorben ist – aber um den Partner, der er einmal war. Der mit Ihnen gelacht hat. Der Pläne geschmiedet hat. Der Sie angesehen hat, als wären Sie das Beste, was ihm passiert ist. Diese Trauer ist berechtigt. Sie dürfen den Menschen vermissen, den Sie lieben – auch wenn er neben Ihnen sitzt.
Das Wichtigste zuerst: Ihre Erschöpfung ist real. Sie verdienen Unterstützung – nicht nur Ihr Partner.
Sie müssen das nicht alleine durchstehen.
In einem Erstgespräch schauen wir gemeinsam, was Sie jetzt am meisten entlasten würde.
Überblick für die Seite
Wenn Sie als Partner nicht mehr können
Mitbetroffenheit: Wenn ein Partner an Depression erkrankt, leidet das gesamte Beziehungssystem mit.
Die emotionale Last verteilt sich nicht – sie verdoppelt sich.¹
Vielleicht erkennen Sie sich hier wieder: Sie funktionieren nach außen, halten den Alltag am Laufen, trösten, organisieren, schweigen. Aber innerlich sind Sie längst am Limit.
Partner depressiv – ich kann nicht mehr. Dieser Satz ist kein Versagen. Er ist ehrlich.
Die Erschöpfung, die Sie spüren, hat einen Namen: Mitbetroffenheit. Studien zeigen, dass Partner von Menschen mit Depression ein deutlich höheres Risiko für eigene psychische Belastungen tragen.¹ Ihre Gefühle – Wut, Trauer, Hilflosigkeit, manchmal sogar Schuldgefühle, weil Sie wütend sind – all das ist normal.
Hier wird es konkret: Sie können Ihrem Partner nicht helfen, wenn Sie selbst zusammenbrechen. Das ist keine Erlaubnis zum Aufgeben. Es ist die Aufforderung, auch auf sich zu schauen.
Reflexionsimpuls:
Wann haben Sie zuletzt etwas nur für sich getan – ohne schlechtes Gewissen?

Warum Ihr Partner keine Gefühle mehr zeigt
Gefühlstaubheit bei Depression: Das Gehirn reduziert die Fähigkeit, Freude oder Zuneigung zu empfinden
– als Schutzmechanismus bei Überlastung. Die Gefühle sind noch da, nur nicht zugänglich.³
Sie kochen sein Lieblingsessen – keine Reaktion. Sie erzählen von Ihrem Tag – er schaut durch Sie hindurch. Sie versuchen Nähe – und stoßen auf eine Wand. Depression löscht keine Gefühle für den Partner – sie vergräbt sie unter einer Schicht aus Taubheit.
Stellen Sie sich vor: Ihr Partner sitzt neben Ihnen auf dem Sofa. Früher hätte er Ihre Hand genommen. Jetzt starrt er auf den Fernseher, ohne wirklich hinzusehen. Sie fragen: „Alles okay?“ Er sagt: „Ja.“ Aber Sie spüren: Da ist nichts. Keine Wärme, keine Ablehnung – einfach nichts.

Das Wichtigste vorab:
Diese Leere ist ein Symptom, kein Urteil über Sie oder Ihre Beziehung.
Bei Depression schaltet das Gehirn die Fähigkeit herunter, Freude zu empfinden – Fachleute nennen das Gefühlstaubheit.³
Der Sonntagsspaziergang im Nordschwarzwald, der früher guttat? Fühlt sich jetzt an wie eine Pflichtübung. Der Kaffee am Morgen? Schmeckt nach nichts.
Für Sie als Partner bedeutet das: Die Umarmung, die Sie geben, kommt an – aber Ihr Partner kann sie gerade nicht fühlen. Die Liebe ist nicht weg. Sie ist verschüttet.
Wenn Ihr Partner sagt: „Ich liebe dich nicht mehr“
Dieser Satz trifft wie ein Schlag. Vielleicht hat Ihr Partner ihn ausgesprochen – oder Sie lesen ihn zwischen den Zeilen.
Hier wird es konkret:
Bei Depression ist diese Aussage oft kein Beziehungsurteil, sondern ein Symptom. Das Gehirn kann gerade keine positiven Gefühle zugänglich machen – auch nicht die Liebe zu Ihnen. Betroffene beschreiben es so: „Ich weiß, dass ich dich liebe. Aber ich kann es nicht fühlen.“
Das macht den Schmerz nicht kleiner. Aber es verändert die Bedeutung.
Der richtige Umgang mit Depression in der Partnerschaft
Systemische Perspektive: Beziehungen funktionieren wie ein Mobile – bewegt sich ein Teil, bewegen sich alle.
Bei Depression verschiebt sich das Gleichgewicht. Die gute Nachricht: Verändert ein Partner sein Verhalten, verändert sich das ganze System.
Vielleicht kennen Sie das Gefühl, auf Eierschalen zu laufen. Jedes Wort abwägen. Bloß nichts Falsches sagen.
Ständig scannen: Wie ist die Stimmung heute? Was könnte eine Krise auslösen?
Dieses permanente Wachsam-Sein ist erschöpfend. Und es verändert Sie – Sie werden vorsichtig, wo Sie früher spontan waren.
Er oder sie liegt seit drei Stunden auf dem Sofa. Sie haben den Müll rausgebracht, die Kinder zur Schule gefahren, eingekauft. Jetzt stehen Sie in der Küche und denken: Warum mache ich alles allein? Und dann kommt die Scham, weil Sie wütend auf einen kranken Menschen sind.
Der Umgang mit Depressionen in der Partnerschaft hat keine Patentlösung. Aber es gibt Sätze, die helfen – und Sätze, die alles schlimmer machen.
Was Sie sagen können:
„Ich bin da. Du musst jetzt nicht reden.“
„Ich sehe, dass es dir schlecht geht. Ich halte das aus.“
„Was wäre heute ein kleiner Schritt, den wir zusammen machen könnten?“
„Ich gehe jetzt eine Runde raus. Kommst du mit? Wenn nicht, ist das okay.“
Was Sie besser vermeiden:
„Reiß dich zusammen.“ → Er/ Sie würde, wenn er könnte.
„Andere haben es viel schlimmer.“ → Vergleiche heilen nicht.
„Denk doch mal positiv.“ → Bei Depression funktioniert das Gehirn anders.
„Ich weiß gar nicht mehr, wer du bist.“ → Stimmt vielleicht, trifft aber ins Herz.
Warum Depression immer beide betrifft – die systemische Sicht
In meiner Arbeit als systemische Therapeutin erlebe ich es täglich: Depression ist nie nur das Problem eines Einzelnen. Sie verändert das gesamte Beziehungsgefüge – oft auf eine Weise, die beide Partner nicht bemerken.
Ein Beispiel: Sie zieht sich zurück. Er übernimmt mehr Aufgaben, um sie zu entlasten. Sie fühlt sich nutzlos, zieht sich weiter zurück. Er übernimmt noch mehr – und ist irgendwann selbst erschöpft. Ein Kreislauf, der gut gemeint beginnt und beide auslaugt.
Oder andersherum: Sie versucht, ihn aufzumuntern. Er erlebt das als Druck. Sie verdoppelt ihre Bemühungen. Er fühlt sich unverstanden und macht dicht. Am Ende sind beide frustriert – obwohl beide das Beste wollten.
Das Wichtigste dabei: Keiner ist schuld. Aber beide sind Teil des Musters. Und genau deshalb kann es helfen, wenn auch der gesunde Partner Unterstützung bekommt – nicht um den anderen zu „reparieren“, sondern um den eigenen Platz im System zu verstehen.

Was Sie konkret tun können, wenn Ihr Partner depressiv ist
Verhaltensaktivierung: Kleine, konkrete Handlungen durchbrechen den Rückzugskreislauf bei Depression.
Studien zeigen: Schon minimale gemeinsame Aktivitäten verbessern Stimmung und Verbundenheit – bei beiden Partnern.²
Sie haben die Theorie gelesen. Jetzt wollen Sie wissen: Was kann ich heute noch tun? Hier sind fünf Dinge, die wirklich helfen – mit der Erklärung, warum sie funktionieren.
1. Gemeinsame Mikro-Aktivitäten statt großer Unternehmungen
Nicht: „Lass uns am Wochenende wandern gehen.“
Sondern: „Ich mache mir einen Tee. Setzt du dich kurz dazu?“
Warum das hilft: Depression macht Entscheidungen und Planung extrem anstrengend. Je kleiner die Anfrage, desto eher kann Ihr Partner zustimmen. Jede gemeinsame Aktivität – und sei sie noch so kurz – durchbricht die Isolation.²
2. Struktur anbieten, nicht aufzwingen
Nicht: „Du musst endlich mal wieder rausgehen.“
Sondern: „Ich gehe um drei kurz zum Bäcker. Wenn du mitkommen magst – ich freu mich.“
Warum das hilft: Struktur gibt Halt, aber Druck verstärkt Schuldgefühle. Einladungen ohne Erwartung lassen Ihrem Partner die Kontrolle – und genau die fehlt bei Depression am meisten.
3. Die Fünf-Minuten-Regel
Wenn Ihr Partner sagt „Ich kann nicht“, fragen Sie: „Und fünf Minuten? Nur fünf Minuten mit mir auf die Terrasse?“
Warum das hilft: Das Gehirn bei Depression überschätzt Aufwand und unterschätzt Belohnung. Fünf Minuten klingen machbar. Und oft werden aus fünf Minuten zehn – weil der Anfang das Schwerste ist.
4. Eigene Aktivitäten beibehalten
Sagen Sie nicht jeden Termin ab, weil Ihr Partner nicht mitkommen kann. Gehen Sie zum Sport. Treffen Sie Ihre Freundin. Fahren Sie allein nach Freudenstadt zum Markt.
Warum das hilft: Wenn Sie Ihr Leben aufgeben, entsteht ein Ungleichgewicht, das Ihr Partner spürt – und das die Schuldgefühle verstärkt. Ihre Normalität ist ein Anker für beide.
5. Professionelle Hilfe ansprechen – einmal, klar, ohne Druck
Nicht: „Du brauchst dringend Hilfe!“ Sondern: „Ich hab gehört, es gibt in Seewald jemanden, der auch Partner mit einbezieht. Soll ich mal die Nummer raussuchen?“
Warum das hilft: Einmal klar benennen zeigt, dass Sie die Lage ernst nehmen. Danach liegt die Entscheidung bei Ihrem Partner. Wiederholtes Drängen erzeugt Gegenwehr.

Wann eine Trennung ein Thema wird
Trennung bei Depression ist ein eigenes, komplexes Thema. Es geht um Timing, um Schuldgefühle, um die Frage, ob Sie einen kranken Menschen verlassen „dürfen“. Und um die ehrliche Prüfung: Ist die Beziehung das Problem – oder die Krankheit?

Manchmal steht ein Gedanke im Raum, den Sie sich kaum eingestehen:
Was, wenn ich das nicht mehr aushalte? Was, wenn ich gehen muss – um mich selbst zu schützen?
Dieser Gedanke macht Sie nicht zu einem schlechten Menschen. Er zeigt, dass Sie an Ihre Grenzen kommen.
Wichtig: Wenn Sie gerade an diesem Punkt stehen, sprechen Sie mit jemandem – einer Freundin, einem Therapeuten, einer Beratungsstelle. Entscheidungen dieser Tragweite sollten nicht allein getroffen werden.
Selbstfürsorge – Ihre Grenzen schützen
Caregiver-Burnout: Angehörige von Menschen mit Depression tragen ein erhöhtes Risiko für eigene Erschöpfung.
Der wichtigste Schutzfaktor ist nicht Durchhalten – sondern Selbstmitgefühl und das Annehmen von Unterstützung.⁴ ⁵
Sie haben heute dreimal gefragt, wie es Ihrem Partner geht. Wie oft hat jemand Sie das gefragt?
Wer einen depressiven Partner begleitet, vergisst oft eine Person: sich selbst. Das ist kein Egoismus-Problem – es ist ein Muster.
Studien zeigen: Über 70 Prozent der pflegenden Angehörigen entwickeln selbst Erschöpfungssymptome.⁴ Nicht weil sie schwach sind, sondern weil dauerhafte Fürsorge ohne Ausgleich jeden Menschen auslaugt.

Warnsignale, die Sie ernst nehmen sollten
Ihr Körper sendet Ihnen Nachrichten. Hören Sie hin:
- Sie schlafen schlecht – nicht wegen Ihres Partners, sondern wegen Ihrer eigenen Gedanken.
- Sie reagieren gereizt auf Kleinigkeiten – die Milch ist alle, und Sie könnten weinen.
- Sie haben aufgehört, Freunde zu treffen – „Ich kann doch nicht fröhlich sein, wenn es ihm/ihr so schlecht geht.“
- Sie ertappen sich bei dem Gedanken: „Ich wünschte, ich könnte einfach verschwinden.“
- Das Wichtigste vorab: Diese Zeichen bedeuten nicht, dass Sie versagen. Sie bedeuten, dass Ihr System Alarm schlägt.
Reflexionsimpuls: Wann haben Sie zuletzt geweint – einfach für sich, ohne dass es um Ihren Partner ging?
Und falls die Antwort „Das kann ich mir nicht erlauben“ ist: Warum eigentlich nicht?
Was Selbstfürsorge bei Angehörigen wirklich bedeutet
Selbstfürsorge heißt nicht Schaumbad und Schokolade. Es heißt: Ihre Bedürfnisse genauso ernst nehmen wie die Ihres Partners.
Grenzen setzen – und dabei bleiben. „Ich bin bis 18 Uhr für mich. Danach bin ich wieder da.“ Kein Rechtfertigen, kein Verhandeln. Ihr Partner wird das vielleicht nicht gut finden. Das ist okay. Sie dürfen trotzdem.
Warum das hilft: Klare Grenzen reduzieren das Gefühl von Kontrollverlust – bei Ihnen und bei Ihrem Partner. Studien zeigen: Angehörige mit guter Abgrenzung haben deutlich weniger Burnout-Symptome.⁴
Hilfe annehmen – aktiv. Wenn Ihre Schwiegermutter fragt „Kann ich was tun?“ – sagen Sie nicht „Nein, alles gut.“ Sagen Sie: „Ja. Könntest du Dienstag die Einkäufe übernehmen?“
Warum das hilft: Unterstützung anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche. Es verteilt die Last und durchbricht die Isolation, in die viele Angehörige rutschen.²
Zeit ohne den Partner – ohne schlechtes Gewissen. Gehen Sie allein spazieren. Fahren Sie nach Freudenstadt. Treffen Sie eine Freundin auf einen Kaffee. Nicht um zu flüchten – sondern um aufzutanken.
Warum das hilft: Selbstmitgefühl – also der freundliche Umgang mit sich selbst – ist einer der stärksten Schutzfaktoren gegen Erschöpfung bei Angehörigen.⁵
Eigene Gefühle zulassen – alle. Wut, Trauer, Verzweiflung, manchmal sogar Erleichterung, wenn Sie mal allein sind. All das gehört dazu. Sie müssen nicht immer verständnisvoll sein.
Warum das hilft: Unterdrückte Gefühle kosten Energie. Gefühle zuzulassen – auch die unbequemen – entlastet Ihr System.
Wenn das Mitgefühl erschöpft ist
Es gibt einen Namen für das, was Sie vielleicht erleben: Mitgefühls-Erschöpfung. Sie wollen helfen – aber da ist nichts mehr. Kein Mitleid, keine Geduld, nur noch Leere. Und dann die Scham: „Was bin ich für ein Mensch?“.
Ein ganz normaler. Mitgefühl ist keine unendliche Ressource. Es braucht Nachschub – durch eigene Entlastung, durch Menschen, die für Sie da sind.
Wenn Sie selbst Erschöpfungszeichen bemerken
Reflexionsimpuls:
Was würden Sie einer guten Freundin raten, die in Ihrer Situation wäre? Und warum fällt es so schwer, diesen Rat selbst zu befolgen?
Häufige Fragen – wenn der Partner an Depressionen leidet
Liebt mein Partner mich noch – oder ist das die Depression?
Diese Frage quält viele Angehörige. Die ehrliche Antwort: Beides ist möglich, und oft lässt sich das während einer depressiven Episode nicht trennen. Depression verdeckt Gefühle, sie löscht sie nicht aus. Viele Betroffene sagen nach der Besserung: „Ich wusste, dass ich dich liebe. Ich konnte es nur nicht fühlen.“ Warten Sie mit großen Entscheidungen, bis die akute Phase vorbei ist.
Ich bin wütend auf meinen kranken Partner. Bin ich ein schlechter Mensch?
Nein. Wut ist eine normale Reaktion auf eine belastende Situation. Sie sagt nichts über Ihre Liebe aus und nichts über Ihren Charakter. Die Schuld, die direkt nach der Wut kommt, kennen fast alle Angehörigen. Erlauben Sie sich beide Gefühle – die Wut und die Schuld. Unterdrücken kostet mehr Kraft als Zulassen.
Soll ich meinem Partner Raum geben oder näher kommen?
Das Dilemma, das viele beschreiben: Geben Sie Raum, fühlt es sich an wie Aufgeben. Kommen Sie näher, fühlt es sich an wie Erdrücken. Die Wahrheit liegt dazwischen: Fragen Sie Ihren Partner direkt. „Was brauchst du gerade – Nähe oder Ruhe?“ Und wenn die Antwort „Ich weiß nicht“ ist: Bieten Sie beides in kleinen Dosen an.
Mein Partner verweigert jede Hilfe. Was kann ich tun?
Das ist eine der frustrierendsten Situationen. Sie können niemanden zur Therapie zwingen – aber Sie können für sich selbst Hilfe holen. Das ist kein Umweg, sondern oft der wirksamste Hebel: Wenn Sie sich verändern, verändert sich die Dynamik. Manchmal öffnet das eine Tür, die vorher verschlossen war.
Ich funktioniere nur noch. Geht das anderen auch so?
Ja. Das nennt sich Mitgefühls-Erschöpfung – und es trifft die meisten Angehörigen irgendwann. Sie wollen helfen, aber da ist nichts mehr. Keine Geduld, kein Mitleid, nur Leere. Das macht Sie nicht herzlos. Es bedeutet, dass Ihr Mitgefühl Nachschub braucht – durch Entlastung, durch Menschen, die für Sie da sind.
Darf ich auch mal schwach sein und weinen?
Ja. Unbedingt. Ihre Tränen machen die Situation nicht schlimmer – aber sie dauerhaft zu unterdrücken macht Sie krank. Suchen Sie sich einen Ort oder eine Person, wo Sie das dürfen. Das muss nicht vor Ihrem Partner sein, wenn das gerade nicht geht. Aber irgendwo müssen Ihre Gefühle hin.
Wann ist meine Grenze erreicht – und darf ich die überhaupt haben?
Sie dürfen nicht nur – Sie müssen. Eine Beziehung, in der nur einer gibt, hält nicht. Ihre Grenze zu kennen und zu kommunizieren ist kein Verrat an Ihrem Partner. Es ist die Voraussetzung dafür, dass Sie langfristig an seiner Seite bleiben können.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Angehörigen-Beratung?
Ich rechne privat ab. Gesetzliche Kassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht. Private Kassen und Zusatzversicherungen oft teilweise – fragen Sie vorher bei Ihrer Versicherung nach. Der Vorteil: Keine Wartezeit, keine Diagnose in Ihrer Akte, und Termine oft innerhalb einer Woche.
Gut zu wissen:
Sie müssen nicht warten, bis Ihr Partner in Therapie geht. Unterstützung für sich selbst zu holen, ist kein Umweg
– es ist oft der erste Schritt, der etwas verändert.
Wann Sie selbst Hilfe brauchen
Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Brauche ich wirklich Hilfe – oder übertreibe ich? Hier ein einfacher Maßstab: Wenn Sie diesen Artikel lesen und sich in mehr als der Hälfte wiederfinden, ist das Ihre Antwort.
Zeichen, dass professionelle Unterstützung sinnvoll wäre:
- Sie liegen nachts wach und grübeln – nicht über Ihren Partner, sondern über sich selbst.
- Sie haben aufgehört, Dinge zu tun, die Ihnen früher Freude gemacht haben.
- Sie ertappen sich bei Gedanken wie: „Ich wünschte, ich könnte einfach verschwinden.“
- Sie funktionieren nach außen, aber innerlich fühlen Sie sich taub.
- Ihre körperliche Gesundheit leidet – Kopfschmerzen, Magenprobleme, ständige Erschöpfung.
Die Lösung ist überraschend einfach: Sie müssen nicht warten, bis es Ihnen richtig schlecht geht. Sie dürfen sich Hilfe holen, wenn es Ihnen „nur“ nicht gut geht.
Was Begleitung für Sie bedeuten kann
In meiner Praxis in Seewald arbeite ich mit Angehörigen genauso wie mit Betroffenen. Manchmal kommen Partner allein, manchmal später als Paar. Es gibt keinen falschen Zeitpunkt und keinen falschen Einstieg.
Was Sie erwartet: Ein Gespräch auf Augenhöhe. Keine Vorwürfe, keine Ratschläge von oben herab. Raum für Ihre Gefühle – auch die, für die Sie sich schämen. Und konkrete Schritte, die zu Ihrer Situation passen.
Termine sind oft innerhalb von 2 Wochen möglich. Keine monatelangen Wartezeiten. Keine Diagnose in Ihrer Akte.
Depressionen beim Partner verändern alles – auch Sie.
Aber Sie müssen das nicht allein durchstehen. Ein Erstgespräch ist unverbindlich und kostet Sie nichts außer dem Mut, anzurufen.
Oder rufen Sie mich an: 07448/ 41 00 316 – auch wenn Sie noch unsicher sind.
Quellenverzeichnis
¹ Whisman, M. A., & Baucom, D. H. (2021). Intimate relationships and psychopathology. Annual Review of Clinical Psychology, 17, 233–258. https://doi.org/10.1146/annurev-clinpsy-081219-103323
² Liang, J., Aranda, M. P., & Lloyd, D. A. (2024). Social isolation, loneliness, and depressive symptoms among spousal caregivers. International Journal of Behavioral Medicine, 31, 245–256. https://doi.org/10.1007/s12529-023-10227-5
³ Serretti, A. (2023). Anhedonia and depressive disorders. Clinical Psychopharmacology and Neuroscience, 21(3), 401–409. https://doi.org/10.9758/cpn.23.1086
⁴ Karimi Moghaddam, Z., Rostami, M., Zeraatchi, A., & Falahi Khoshknab, M. (2023). Caregiver burden and associated factors in caregivers of patients with mood disorders. Frontiers in Psychology, 14, 1059605. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2023.1059605
⁵ Hsiao, C. Y. (2023). Self-compassion as a protective factor against caregiver burnout in family caregivers of patients with mental illness. Journal of Nursing Research, 31(2), e271. https://doi.org/10.1097/jnr.0000000000000544
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Kathleen Kunze
Dipl. Soz.-Päd. & HP Psychotherapie Ausgebildete Traumatherapeutin
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Zertifizierte Fachexpertise
- Traumatherapie: PITT©-Zertifizierung für Bindungs- und Entwicklungstrauma (ausgebildet direkt bei Prof. Dr. Luise Reddemann).
- Systemische Therapie: DGSF-zertifizierte Therapeutin.
- Mitgliedschaften: Deutsche Gesellschaft für Biofeedback e.V. & DGSF
Mein Fokus & besondere Erfahrung
- Themen: Begleitung bei Ängsten, Depressionen, Trauma und Fibromyalgie.
Ansatz: Mit fachlicher Tiefe und eigener Erfahrung vom Überleben zurück ins Leben finden. - Ansatz: Mit fachlicher Tiefe und eigener Erfahrung vom Überleben zurück ins Leben finden.
Erreichbarkeit
- Praxis vor Ort: Seewald-Schernbach (Region Freudenstadt, Nagold, Horb).
- Online-Therapie: Professionelle Video-Sitzungen für den gesamten deutschsprachigen Raum.
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