Niedergeschlagen, erschöpft & Weinen ohne Grund – bin ich depressiv verstimmt?
Autorin: Kathleen Kunze | Aktualisiert: März 2026
Das wichtigste in Kürze
Bin ich depressiv verstimmt?
Depressionen zeigen sich selten nur als Traurigkeit – sondern als Erschöpfung, innere Leere oder als Gefühl, nur noch zu funktionieren.
Körperliche Symptome
wie Schlafstörungen, Verspannungen oder Magenprobleme können Ausdruck einer Depression sein – auch ohne medizinischen Befund.
Depression ist gut behandelbar
Viele Menschen starten mit winzigen Schritten – und kommen dadurch in Bewegung.
Das wird häufig übersehen
Wichtige Differentialdiagnosen wie ADHS oder Autismus werden häufig übersehen – besonders bei Frauen.
In meiner Praxis
in Seewald finden Sie zeitnahe, körperorientierte Begleitung – ohne monatelange Wartezeiten.
Vielleicht sind Sie um 22 Uhr noch einmal kurz ans Handy gegangen – und jetzt lesen Sie das hier.
Nicht, weil Sie unbedingt eine Diagnose wollen, sondern weil etwas in Ihnen sagt:
So kann es nicht weitergehen.
Vielleicht schlafen Sie seit Wochen schlecht, stehen morgens auf wie erschlagen und fragen sich, woher Sie die Kraft für diesen Tag nehmen sollen.
Vielleicht funktionieren Sie nach außen – Job, Familie, Alltag – und merken abends, dass da drinnen nur noch Erschöpfung und innere Leere ist.
Hier im Schwarzwald lernt man früh: schaffig sein, nicht jammern, anpacken. Das trägt viel – manchmal zu lange und zu viel.
Irgendwann sendet der Körper Signale, die der Kopf schon lange wegdrückt.
Was Sie gerade erleben, könnte eine depressive Verstimmung sein – oder der Beginn einer Depression. Und es ist behandelbar.
Auf dieser Seite:
Viele meiner Klientinnen haben wirklich winzig angefangen.
Ein Gespräch. Ein Atemzug. Ein kleiner erster Schritt.
Und irgendwann haben diese kleinen Schritte eine Eigendynamik entwickelt, die sich nicht mehr aufhalten ließ.
Schritt für Schritt – das ist meine Devise. Und sie hat sich bewährt.
Diese Seite gibt Ihnen einen Überblick über Depression und Erschöpfung: Was es bedeutet, wie es sich anfühlt, welche Formen es gibt – und welche Unterseite am besten zu Ihrer Situation passt.
Ihr Wegweiser: Drei Einstiege auf dieser Seite
Ob Sie noch unsicher sind, bereits eine Diagnose haben oder sich um jemanden sorgen – jeder Einstieg führt Sie direkt zur passenden Orientierung, ohne Umwege.
Ich bin depressiv verstimmt – aber ist das schon eine Depression?
Sie funktionieren nach außen, aber innerlich läuft etwas nicht mehr rund. Vielleicht schlafen Sie schlecht, fühlen sich leer oder merken, dass Sie sich an nichts mehr wirklich freuen können.
Ich weiß, dass eine Depression vorliegt – und suche den passenden Ansatz.
Sie haben sich bereits informiert oder eine Diagnose erhalten und
wollen wissen, welche Begleitung für Sie stimmig ist.
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Vertiefende Informationen zum Thema depressiv verstimmt
Emotionale Erschöpfung – Hilfe bei Überforderung in Seewald
„Ich fühle mich innerlich leer, als wären alle Gefühle abgeschaltet.“ – Franziska Z., Enzklösterle
Gedankenkarussell stoppen nachts – Wege zur Ruhe im Nordschwarzwald
„Overthinking und Ängste machen mich krank, ich komme nachts aus dem Grübeln nicht mehr raus.“ – Ralf K., Baiersbronn
Erschöpfungsdepression – wenn das Funktionieren die ganze Kraft kostet
„Ich habe mich völliger Erschöpfung trotz zu Leistung gezwungen, bis gar nichts mehr ging.“ – Peter S., Freudenstadt
Weitere Themen (in Vorbereitung)
- Erlernte Hilflosigkeit – wenn Aufgeben zur Gewohnheit wird
- Suizidgedanken – Warnsignale erkennen, Hilfe finden
- Viele Gesichter der Depression – Formen und Verläufe
- Winterdepression – wenn die dunkle Jahreszeit aufs Gemüt schlägt
- Wochenbettdepression – Hilfe nach der Geburt
- ADHS und Autismus bei Frauen – wenn Depression nur die halbe Wahrheit ist

Wer Sie begleitet – Hilfe bei Depression & Erschöpfung im Nordschwarzwald
Kathleen Kunze, Dipl. Sozialpädagogin, Heilpraktikerin für Psychotherapie in Seewald. Ich arbeite körperorientiert mit systemischer Therapie,
traumasensibler PITT®-Arbeit und Biofeedback – für Menschen im Raum Freudenstadt, Baiersbronn und Horb.
Symptome – woran erkenne ich eine Depression?
Wer sich fragt, ob er depressiv verstimmt ist, beschreibt oft genau diese Zeichen:
anhaltend gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Antriebsmangel – fast täglich und über mindestens zwei Wochen,
mit spürbarer Einschränkung im Alltag. Depression zeigt sich selten nur als Traurigkeit.
Die drei Kernsymptome
In der Fachdiagnostik werden drei Hauptsymptome unterschieden, die für eine Diagnose zentral sind. Sie helfen zu unterscheiden, ob eine depressive Verstimmung oder eine klinische Depression vorliegt.
- Anhaltend gedrückte oder gereizte Stimmung – nicht nur an einem schlechten Tag, sondern über Wochen
- Verlust von Interesse und Freude an Dingen, die früher wichtig oder schön waren
- Deutlich verminderter Antrieb und schnelle Ermüdung – selbst kleine Aufgaben fühlen sich riesig an
Fachlicher Hinweis: Erst wenn mindestens zwei dieser Kernsymptome fast jeden Tag über mindestens zwei Wochen auftreten und den Alltag deutlich beeinträchtigen, sprechen approbierte Fachleute von einer depressiven Episode.
Körperliche Symptome – wenn der Körper spricht
Für viele Menschen – besonders für diejenigen, die gelernt haben, Gefühle wegzustecken – zeigt sich eine Depression zuerst im Körper. Der Kopf macht weiter. Der Körper nicht mehr.
Typische körperliche Signale sind zum Beispiel:
- Schlafstörungen: nicht einschlafen können, früh aufwachen, morgens wie gerädert sein
- chronische Erschöpfung, die auch nach dem Schlafen nicht weggeht
- Spannungskopfschmerzen, Rückenschmerzen, Nackenverspannungen
- Magen-Darm-Beschwerden: Reizdarm, Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Heißhunger
- Herzklopfen, Engegefühl in der Brust – ohne dass bei Untersuchungen etwas gefunden wird
- das Gefühl, wie durch Watte zu laufen, nicht richtig da zu sein
Wichtig: Wenn Sie immer wieder mit körperlichen Beschwerden zum Arzt gehen und die Untersuchungen unauffällig bleiben, heißt das nicht, dass Sie sich etwas einbilden. Es kann ein Zeichen sein, dass Ihr Nervensystem überlastet ist und der Körper die Last trägt, die innerlich keinen Platz findet.
Gerade bei Frauen zeigen sich Depressionssymptome häufig körperlich oder als emotionale Taubheit – seltener als das klassische Bild der Traurigkeit.
Wie äußert sich larvierte oder maskierte Depression?
Unter larvierter oder maskierter Depression verstand man früher, Krankheitsverläufe, bei denen die Erkrankung fast ausschließlich über körperliche Beschwerden zeigt – zum Beispiel Schmerzen, Magen-Darm-Probleme oder Erschöpfung ohne klare organische Ursache.
In der aktuellen Klassifikation (ICD-11) gilt das als depressive Episode, bei der somatische Symptome stark im Vordergrund stehen. Die Beschwerden sind real und gehören zur Erkrankung, auch wenn Befunde unauffällig bleiben.
Die Behandlung orientiert sich deshalb nicht an immer neuen Einzeluntersuchungen, sondern an der Depression insgesamt – etwa mit Psychotherapie und, wenn nötig, medikamentöser Unterstützung.
Wie lange dauert eine Depression?
Unbehandelt dauert eine depressive Episode durchschnittlich sechs bis acht Monate.
Mit Psychotherapie verkürzt sich dieser Zeitraum erheblich – ein früher Behandlungsbeginn verbessert die Prognose nachweislich.
Dauer einer einzelnen depressiven Episode
Eine depressive Episode dauert ohne Behandlung im Durchschnitt etwa sechs bis acht Monate – je nach Schweregrad und Lebenssituation kann sie kürzer oder länger verlaufen.
Mit einer passenden Behandlung, zum Beispiel Psychotherapie und – falls notwendig – medikamentöser Unterstützung, kann sich diese Dauer mit passender Behandlung erheblich verkürzen.¹ Das bedeutet: Je früher Sie Unterstützung in Anspruch nehmen, desto besser sind die Chancen, dass sich die Episode verkürzt und sich Ihr Alltag schneller stabilisiert.
Rezidivierendes Muster – wenn Depression immer wiederkommt
Treten im Laufe des Lebens mehrere Episoden auf, sprechen Experten von einer wiederkehrenden (rezidivierenden) depressiven Störung– die häufigste Form der unipolaren Depression.
Das ist keine Niederlage und kein persönliches Versagen, sondern beschreibt einen Verlauf, den man verstehen und therapeutisch begleiten kann.
Viele meiner Klientinnen erleben gerade in der Arbeit an diesem Muster die tiefste Veränderung: Sie erkennen, wie und wann sich ihr Zustand verschlechtert, welche Situationen typisch kritisch sind – und welche konkreten Schritte ihnen helfen, stabil zu bleiben.
Was passiert, wenn Depression unbehandelt bleibt?
Das Rückfallrisiko steigt mit jeder Episode: Nach der ersten kehrt Depression bei rund 50 % zurück, nach zwei Episoden bei 70–80 %.
Frühzeitige Behandlung und Kenntnis eigener Warnsignale reduzieren dieses Risiko.
Rückfallrisiko – was die Forschung zeigt
Depressionen neigen dazu, wiederzukehren – vor allem dann, wenn sie unbehandelt bleiben oder nur bruchstückhaft behandelt werden. ²
Nach einer ersten depressiven Episode ist das Risiko für weitere Episoden erhöht; mit jeder weiteren Episode steigt dieses Risiko.
Frühzeitige Behandlung – warum jetzt handeln sinnvoll ist
Das klingt beunruhigend. Gleichzeitig heißt es: Wer frühzeitig Unterstützung annimmt, seine eigenen Warnsignale kennt und bei ersten Verschlechterungen reagiert, kann Rückfällen besser vorbeugen und im Ernstfall schneller gegensteuern.
Formen von Depression – wo Sie sich wiederfinden
Depression umfasst unterschiedliche Verlaufsformen: von der Erschöpfungsdepression nach chronischer Überlastung
über Dysthymie und Winterdepression bis zur hochfunktionalen Depression – mit jeweils unterschiedlichen Behandlungsansätzen.
Depressiv verstimmt zu sein ist oft der erste Schritt auf einem Spektrum, das von leichter Verstimmung bis zur schweren Episode reicht.
Und Depression ist nicht gleich Depression.
Je nach dem unterscheiden sie sich im Verlauf, den Symptomen und daraus ergibt sich dann der sinnvollste Behandlungsansatz.
Die Beschreibungen geben Ihnen Orientierung, in welchem Bild Sie sich wiederfinden – von Erschöpfungsdepression über Dysthymie bis hin zu Winterdepression oder bipolaren Verläufen.
Erschöpfungsdepression
Viele Menschen, die sich depressiv verstimmt fühlen, erkennen sich hier zuerst wieder.
Die Erschöpfungsdepression entsteht nach langer Überlastung. Der Körper hat zu lange auf Durchhalten geschaltet – und fährt irgendwann herunter. Charakteristisch ist die bleierne Müdigkeit, die auch nach Schlaf und Urlaub nicht verschwindet.
Emotionale Erschöpfung
Emotionale Erschöpfung beschreibt den Zustand, innerlich leer zu sein und emotional taub zu werden – oft als Vorstufe zu Burnout oder Depression. Viele Frauen berichten: „Ich fühle nichts mehr. Weder Freude noch Trauer. Einfach nichts.“
Winterdepression – wenn die dunkle Jahreszeit aufs Gemüt schlägt
Saisonale Depression tritt typischerweise im Herbst und Winter auf. Typische Zeichen: Antriebslosigkeit, vermehrtes Schlafbedürfnis, Heißhunger auf Kohlenhydrate und gedrückte Stimmung – die sich im Frühjahr von selbst bessert. Lichttherapie zeigt bei dieser Form besonders gute Ergebnisse.
Dysthymie – wenn Niedergeschlagenheit zum Dauerzustand wird
Zitat: „Ich war eigentlich noch nie wirklich glücklich“
Dysthymie ist eine chronische Form der Depression – weniger intensiv als eine akute Episode, aber dauerhaft.
Stimmungsverlauf & Symptome
Bipolare Störung – zwischen Hochs und Tiefs
Bei der bipolaren Störung wechseln depressive Phasen mit Hochphasen (Manie) ab. Sie erfordert psychiatrische Abklärung und medikamentöse Begleitung.
Verlauf verstehen
Eine bipolare Störung erfordert eine medikamentöse Behandlung, die in die Hände von Fachärzt:innen gehört.
Einzelne und rezidivierende depressive Episode
Bei der unipolaren Depression treten ausschließlich depressive Episoden auf – keine Hochphasen. Wie ein solcher Verlauf aussieht und was symptomfreie Zeiten bedeuten, zeigt die Übersicht unten.
Die folgende Übersicht zeigt, wie sich verschiedene Verlaufsformen im Alltag unterscheiden – wählen Sie das Bild, das Ihrer Erfahrung am nächsten kommt.
Stimmungsverläufe bei Depression – ein Überblick
Verschiedene Formen zeigen sich auf unterschiedliche Weise. Wählen Sie ein Störungsbild – die Pfeile zeigen, in welche Richtung die Stimmung typischerweise ausschlägt. Jede Ansicht enthält eine Grafik und eine vollständige Tabellen-Ansicht.
| Zeitraum | Stimmungslage | Zone | Dauer |
|---|---|---|---|
| Januar–März | Leicht erhöht, dann kurze Niedergeschlagenheit | Ausgeglichen | Wenige Tage je Phase |
| April–Juni | Schwankend, Erholung tritt von selbst ein | Ausgeglichen | — |
| Juli–September | Gute Phase, leicht gehoben | Ausgeglichen | Wenige Wochen |
| Oktober–Dezember | Normale Herbstschwankungen | Ausgeglichen | — |
Was bedeutet das?
Stimmungsschwankungen sind normal. Tiefs dauern Stunden bis wenige Tage. Erholung tritt von selbst ein – die Kurve kehrt stets in den ausgeglichenen Bereich zurück.
| Zeitraum | Stimmungslage | Zone | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Monat 1–3 | Gedrückt, leichte Schwankungen | Unterhalb Mittellinie | Kein tiefer Absturz |
| Monat 4–6 | Leicht weniger gedrückt | Unterhalb Mittellinie | Ausgeglichener Bereich nicht erreicht |
| Monat 7–12 | Weiterhin gedrückt | Unterhalb Mittellinie | Alltag funktioniert, aber zieht sich |
| Jahr 2+ | Anhaltend wie oben | Unterhalb Mittellinie | Diagnosekriterium: mindestens 2 Jahre |
Was ist Dysthymie?
Chronische Form der Depression – weniger intensiv als eine akute Episode, aber dauerhaft. Viele Betroffene erleben es als „So bin ich halt.“ Das ist keine Persönlichkeit. Es ist eine behandelbare Erkrankung.
Typische Zeichen
- Anhaltend gedrückte Stimmung (mind. 2 Jahre)
- Wenig Freude, aber keine vollständige Leere
- Chronische Erschöpfung trotz Schlaf
- Geringes Selbstwertgefühl
- Schwierigkeiten beim Entscheiden
Unterschied zur akuten Depression
- Kein vollständiger Zusammenbruch
- Alltag funktioniert – aber zieht sich
- Keine ausgeprägten Episoden
- Wird oft als Persönlichkeit verkannt
- Behandlung ist wirksam
| Phase | Stimmung | Zone | Dauer (ca.) |
|---|---|---|---|
| Symptomfrei (Beginn) | Ausgeglichen | Ausgeglichener Bereich | 2 Monate |
| 1. depressive Episode | Tief niedergestimmt, Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit | Depressionszone | 5 Monate |
| Symptomfreie Zeit | Erholung, Rückkehr in den Alltag | Ausgeglichener Bereich | 3 Monate |
| 2. depressive Episode | Ähnlich wie Episode 1 | Depressionszone | 5 Monate |
| Erholung (Ende) | Schrittweise Besserung | Ausgeglichener Bereich | — |
Was ist unipolare Depression?
Nur eine Richtung: nach unten. Zwischen den Episoden gibt es echte symptomfreie Phasen – vollständige Erholung ist möglich. Keine Hochphasen. Eine Episode dauert unbehandelt im Schnitt 6–8 Monate. Mit Therapie lässt sich diese Zeit deutlich verkürzen.
Während der Episode
- Tiefe Niedergeschlagenheit oder innere Leere
- Antriebslosigkeit – selbst kleine Aufgaben zermürben
- Schlafstörungen (zu wenig oder zu viel)
- Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle
- Körperliche Symptome: Erschöpfung, Schmerzen
Symptomfreie Zeit
- Vollständige Erholung ist möglich
- Normale Stimmungsschwankungen kehren zurück
- Arbeit und Alltag funktionieren wieder
- Rückfallrisiko bleibt erhöht – Warnsignale kennenlernen
| Phase | Stimmung | Zone | Typische Merkmale |
|---|---|---|---|
| Symptomfrei (Beginn) | Ausgeglichen | Mittlerer Bereich | Normale Alltagsfunktion |
| 1. Manie | Stark erhöht, überschwänglich | Weit über Mittellinie | Wenig Schlaf, Rededrang, Risikobereitschaft |
| Depression (nach Manie) | Tief niedergestimmt | Unter Mittellinie | Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit |
| Symptomfrei | Ausgeglichen | Mittlerer Bereich | Erholung, normale Funktion |
| 2. Manie | Stark erhöht | Weit über Mittellinie | Wie oben |
| Depression | Tief niedergestimmt | Unter Mittellinie | Teils schwerer als erste Episode |
Was ist eine bipolare Störung?
Depressive Phasen wechseln sich mit Hochphasen (Manie) ab. Die Hochphasen gehen mit gesteigerter Energie, wenig Schlafbedürfnis und übersteigertem Antrieb einher – und können über Nacht in eine Depression umkippen.
Manie
- Gesteigerter Antrieb – wenig Schlaf nötig
- Übersteigerter Optimismus, Risikobereitschaft
- Rededrang, Gedankenrasen
- Impulsive Entscheidungen
Depressive Phase
- Tiefe Erschöpfung, Antriebslosigkeit
- Hoffnungslosigkeit, innere Leere
- Schlafstörungen
- Suizidgedanken möglich
Wichtige Differentialdiagnosen – wenn hinter der Depression mehr steckt
Gedrückte Stimmung kann auch durch ADHS, Autismus, Angststörungen, Traumafolgen oder körperliche Erkrankungen wie Schilddrüsenstörungen
verursacht werden. Eine gründliche Diagnostik entscheidet, welcher Behandlungsweg wirklich trägt.
Dieser Bereich wird auf vielen Websites nur gestreift – dabei kann er für Ihre Behandlung entscheidend sein.
Nicht jede gedrückte Stimmung ist eine „reine“ Depression, und manchmal erklärt eine andere oder zusätzliche Diagnose besser,
warum Sie erschöpft sind und bisherige Behandlungen nur begrenzt haben.
Wichtige psychische Differentialdiagnosen
Nicht jede gedrückte Stimmung ist automatisch eine „reine“ Depression.
Fachleute prüfen immer, ob wirklich eine depressive Störung im Vordergrund steht – oder ob andere Erkrankungen die Stimmung mit beeinflussen. Dazu gehören zum Beispiel:
- Angststörungen (Panikstörung, soziale Angst, Generalisierte Angststörung)
- Anpassungsstörungen nach belastenden Ereignissen
- Traumafolgestörungen (z. B. nach Unfällen, Gewalt, emotionaler Vernachlässigung)
- Persönlichkeitsstörungen
- Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen (Alkohol, Medikamente, andere Substanzen)
- Essstörungen
- Zwangsstörungen
Wichtige körperliche Differentialdiagnosen
Auch körperliche Erkrankungen können depressive Symptome auslösen oder verstärken. Darum gehört eine medizinische Abklärung immer dazu, insbesondere bei neu aufgetretener oder sich stark verändernder Symptomatik.
Häufig werden deshalb zum Beispiel überprüft:
- Schilddrüsenerkrankungen
- Neurologische Erkrankungen (z. B. Parkinson, Multiple Sklerose)
- Chronisches Schmerzsyndrom
- Stoffwechselerkrankungen
- Nebenwirkungen von Medikamenten
Erst wenn klar ist, was körperlich im Hintergrund läuft, lässt sich entscheiden, ob und wenn ja, welche therapeutische oder medikamentöse Behandlung sinnvoll ist.
Hochfunktionale Depression und ADHS bei Frauen – wenn Erschöpfung eine andere Ursache hat
Die hochfunktionale Depression ist kein offizieller Diagnosename, sondern eine Beschreibung:
Menschen wirken nach außen stabil und leistungsfähig – und fühlen sich innerlich erschöpft und leer.
Gerade dieser Verlauf wird leicht übersehen, weil Alltag und Verantwortung noch „funktionieren“.
Typische Zeichen einer hochfunktionalen Depression:
- Sie funktionieren im Job und zu Hause – aber abends ist nichts mehr da.
- Sie gehen Verpflichtungen nach, freuen sich aber auf nichts.
- Sie fühlen sich innerlich leer, obwohl Sie von außen betrachtet „alles haben“.
- Sie sind erschöpft, können aber nicht einfach aufhören, weil viele Menschen auf Sie angewiesen sind.
- Sie stellen eigene Bedürfnisse systematisch hinten an und kämpfen mit Schuldgefühlen, sobald Sie Grenzen setzen.
Wenn Sie sich darin wiedererkennen: Sie sind weder zu sensibel noch undankbar. Ihr Nervensystem ist erschöpft – und das ist behandelbar.
„Ich dachte immer, Depression sieht aus wie im Bett liegen und Weinen. Nicht wie mein Leben."
ADHS bei Frauen sieht oft anders aus als das Bild aus vielen Schulbüchern. Weniger Zappeln, weniger Aufspringen – dafür häufiger:
- eine fast ständige innere Unruhe trotz äußerer Ruhe oder Passivität
- Gefühl, nie anzukommen oder im Leben dauerhaft ‚zu spät‘ zu sein, trotz objektiver Erfolge
- schnelle Reizüberflutung durch Lärm, viele Menschen, visuelles Chaos oder parallele Anforderungen
- Jahrelange Selbstzweifel und das Gefühl, grundsätzlich ‚defekt‘ oder ‚faul‘ zu sein, obwohl viel Anstrengung da ist
- Perfektionismus und Überanpassung (Masking), um das innere Chaos zu kaschieren und Kritik oder Ablehnung zu vermeiden
- intensive Gefühle, schneller Stimmungswechsel und Schwierigkeiten, Emotionen wieder zu beruhigen (Emotionsregulationsprobleme)
Wichtig:
Alle Aussagen sind stimmig als häufiges Muster bei Frauen mit ADHS, aber nicht jedes Symptom ist bei jeder Frau vorhanden.
Weil diese Muster leicht wie Depression oder Angst aussehen, wird ADHS bei Mädchen und Frauen häufig erst im Erwachsenenalter erkannt – oft nach vielen Jahren mit anderen Diagnose- oder Behandlungsversuchen. ⁴
Manchmal fühlen sich Betroffene dadurch sogar noch frustrierter, weil sie trotz Medikamenten weiter funktionieren sollen, aber kaum besser funktionieren können.
Deshalb kann eine spezialisierte ADHS-Abklärung sinnvoll sein. Das ändert nichts daran, wie belastend Ihr Erleben ist – aber es kann erklären, warum bisherige Ansätze nur teilweise gegriffen haben.
Eine ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter wird von Fachärzt:innen für Psychiatrie oder spezialisierten Psycholog:innen gestellt. In meiner Praxis kann ich mit Ihnen prüfen, ob diese Frage für Sie relevant sein könnte und Sie auf dem Weg zur passenden Abklärung begleiten.
Autismus bei Frauen – erschöpft vom Maskieren
Autismus bei Frauen wird noch seltener erkannt als ADHS. Das liegt daran, dass viele autistische Frauen früh gelernt haben, ihr Verhalten so anzupassen, dass es dem sozialen Erwarteten entspricht – ein Prozess, den Fachleute „Masking" nennen.
Viele Frauen mit Autismus sind über Jahre extrem erschöpft, funktionieren nur noch im „Überlebensmodus“ und bekommen zunächst Diagnosen wie Depression, Erschöpfungsdepression oder Burnout.
Typisch kann sein…
- Extreme Erschöpfung nach sozialen Situationen – auch nach schönen
→ „Nach Treffen, Feiern oder Meetings bin ich oft stundenlang oder den ganzen nächsten Tag platt – selbst wenn es eigentlich schön war.“ - Das Gefühl, immer eine Rolle spielen zu müssen, nie wirklich sie selbst zu sein
→ „Ich habe das Gefühl, ich spiele im Alltag ständig eine Rolle und passe mich an – wirklich ich selbst bin ich nur alleine oder bei ganz wenigen Menschen.“ - Tiefe Einsamkeit trotz sozialer Kontakte
→ „Ich kann Menschen um mich haben und trotzdem das Gefühl haben, innerlich allein und nicht wirklich verstanden zu sein.“
Dieses jahrelange Maskieren kostet enorme Energie – und führt häufig zu genau dem Erschöpfungszustand, der dann als Depression diagnostiziert wird.⁵
Auch hier gilt: Die Erschöpfung ist real. Aber der Weg zur Entlastung sieht anders aus als bei einer klassischen Depression.
Diese Hinweise ersetzen keine Diagnose. Wenn Sie sich in dieser Beschreibung wiederfinden, kann ein Gespräch in einer spezialisierten Autismus-Sprechstunde hilfreich sein, um gemeinsam zu prüfen, ob eine Autismus-Spektrum-Störung vorliegt und welche Unterstützung für Sie sinnvoll ist.
Weder ADHS noch Autismus können in meiner Praxis diagnostiziert werden – das ist Aufgabe von spezialisierten Psychiaterinnen oder klinischen Psychologinnen.
Was ich tun kann: mit Ihnen gemeinsam hinschauen, ob diese Fragen relevant sind – und Sie auf dem Weg zur richtigen Abklärung begleiten.
Eine Diagnose verändert das Erleben nicht. Aber sie kann erklären, warum bisherige Ansätze nicht gegriffen haben. Und das ist entlastend.
Burnout, Trauer oder Depression?
Diese Frage stellen sich viele Menschen. Die Grenzen sind fließend – aber die Unterschiede sind therapeutisch relevant.
Burnout oder Depression?
Burnout beginnt meist arbeitsbezogen: Überforderung, Distanz zur Arbeit, das Gefühl, ausgelaugt zu sein. Ein Urlaub oder Abstand vom Job kann helfen.
Bei einer Depression betrifft die Erschöpfung alle Lebensbereiche – und ein Urlaub bringt oft keine Erholung, weil die Schwere mitreist. Außerdem kommen bei Depression typischerweise Hoffnungslosigkeit, Interessenverlust und manchmal auch Suizidgedanken hinzu – das geht über Burnout hinaus.
Depression oder Trauer?
Trauer nach einem Verlust ist keine Erkrankung – sie ist eine natürliche Reaktion. Trauernde können in Momenten noch Freude erleben, fühlen Verbundenheit mit dem Verlorenen, und die Gefühle schwanken.
Bei einer Depression bleibt die Leere konstant, die Freudlosigkeit betrifft alles, und das Selbstwertgefühl leidet stark. Wenn Trauer über Monate anhält und sich vertieft statt zu lösen, kann sich eine Depression entwickeln – dann ist therapeutische Begleitung sinnvoll.
Ursachen – warum Depression nicht Ihre Schuld ist
Wer seine persönlichen Warnsignale kennt, kann früh gegensteuern – bevor der Abwärtstrend Fahrt aufnimmt.³
Viele Menschen mit Depression tragen einen Gedanken in sich: „Ich bin zu schwach für dieses Leben.“ Fachlich betrachtet ist das falsch – Depression entsteht selten aus einem einzigen Grund. Meist wirken mehrere Ebenen zusammen:

Biologische und psychologische Auslöser
Biologische Faktoren:
Stresshormone, Schlafrhythmus, Neurotransmitter – der Körper ist immer beteiligt.
Soziale Faktoren:
Isolation, das Gefühl, unsichtbar zu sein, fehlende Unterstützung.
Genetische Veranlagung:
Depression in der Familie erhöht das Risiko, ist aber kein festes Schicksal.
Frühe Erfahrungen und Dauerstress als Risikofaktoren
Belastende Lebensereignisse:
Verluste, Dauerstress, Konflikte, Überforderung.
Frühe Erfahrungen:
zu frühe Verantwortung, fehlender Schutz, kein Platz für Gefühle.
Oft gibt es einen Auslöser – aber der Zustand hält länger an, als es die Situation allein erklären würde. Genau hier setzt Therapie an: nicht bei Schuld, sondern bei Verstehen und Entlasten.
Eine meiner Klientinnen sagte einmal:
"Ich dachte, ich bin einfach zu schwach für dieses Leben."
Heute weiß sie: Ihr Nervensystem war seit der Kindheit im Dauerstress. Das ist kein Versagen. Das ist eine Geschichte, die man verstehen und verändern kann.
Wenn Depression Beziehungen und Familie mitbetrifft
Depression verändert Kommunikation und Rollenverteilung in Partnerschaften und Familien. Partner übernehmen mehr, Kinder reagieren auf Veränderungen
– das Umfeld braucht ebenso Orientierung wie die erkrankte Person selbst.
Depression ist selten ein Solo-Thema. Sie verändert Beziehungen, Kommunikation und die Dynamik in Familien. Nicht nur die Person mit Depression leidet – auch Partner:innen, Kinder und Angehörige geraten an ihre Grenzen.
Depressionen beim Partner – wenn Sie selbst nicht mehr können
Wenn Ihr Partner depressiv ist, übernehmen Sie oft mehr – mehr Organisation, mehr Verantwortung, mehr emotionaler Rückhalt. Das zehrt. Und irgendwann fragen Sie sich: Wer kümmert sich eigentlich um mich? Wie kann ich helfen, ohne mich selbst zu verlieren?
Depression bei Männern – wenn Stärke zur Maske wird
Männer zeigen Depression oft anders – durch Reizbarkeit, Rückzug, Überarbeiten oder erhöhten Alkoholkonsum. Viele meiner Klientinnen kommen auch wegen ihrer Partner oder Väter: „Er redet nicht. Er ist gereizt. Er zieht sich zurück. Ich weiß nicht mehr, wie ich mit ihm umgehen soll." Die geplante Seite zu diesem Thema gibt Orientierung.
Wochenbettdepression – Depression nach der Geburt
Nach der Geburt wird Depression häufig übersehen – weil der Fokus auf dem Baby liegt, weil Erschöpfung als „normal" gilt und weil viele Frauen sich schämen, in einem Moment, der schön sein soll, so zu fühlen, wie sie fühlen. Wenn Sie nach der Geburt merken, dass etwas nicht stimmt: Das ist keine schlechte Mutter. Das ist eine behandelbare Erkrankung.
Wenn der Kopf nicht mehr abschaltet
Nächtliches Grübeln ist neurologisch erklärbar: Im Ruhezustand ist das Default Mode Network besonders aktiv – bei Depression verfällt es ins Rumination. Gedankenkarussell ist Symptom, kein Charaktermerkmal.
Grübeln und Overthinking sind für viele Menschen die erschöpfendste Seite der Depression. Nicht die Traurigkeit steht im Vordergrund, sondern ein endloses Gedankenkarussell – besonders nachts, wenn es eigentlich ruhig sein sollte.
Schlafstörungen und Depression – wenn Gedanken nachts nicht aufhören
Sie liegen im Bett, der Tag ist vorbei – und genau jetzt fängt es an. Kleine Sorgen werden zu riesigen Katastrophen. Fehler von vor drei Jahren werden analysiert. Szenarien für morgen werden durchgespielt. Das hat neurologische Gründe: Im Ruhezustand ist das Default Mode Network besonders aktiv – genau das Netzwerk, das bei Depression ins Grübeln verfällt.
Gedankenkarussell stoppen nachts
Erlernte Hilflosigkeit – wenn Aufgeben zur Gewohnheit wird
Wer lange erlebt hat, dass Anstrengung nichts ändert – dass Bitten ungehört bleiben, dass Bemühen nicht gesehen wird – entwickelt manchmal eine tiefe Überzeugung: Es hat keinen Sinn. Das ist kein Charakterfehler. Das ist ein psychologisches Muster, das sich Erlernte Hilflosigkeit nennt. Und es lässt sich verändern.
Suizidgedanken – Warnsignale ernst nehmen
Gedanken wie „Es wäre besser, wenn ich nicht mehr da wäre" sind ein psychiatrischer Notfall – kein Zeichen von Schwäche oder Übertreiben. Sofortige Unterstützung ist notwendig, nicht aufgeschoben.
Suizidgedanken sind ein ernstes Warnsignal – und kein Zeichen von Übertreiben oder Schwäche.
Wenn Gedanken auftauchen wie „Es wäre besser, wenn ich nicht mehr da wäre“ oder wenn Sie konkrete Überlegungen anstellen, wie Sie Ihrem Leben ein Ende setzen könnten: Das ist ein Notfall. Nicht morgen. Jetzt.
Die geplante Unterseite „Suizidgedanken – Warnsignale erkennen, Hilfe finden" wird erklären, welche Zeichen kritisch sind, wie Sie sich oder anderen helfen können und welche Unterstützung es gibt.
Was Sie tun können – Behandlung und Hilfe
Die wirksamste Behandlung kombiniert Psychotherapie mit medikamentöser Unterstützung bei mittleren und schweren Verläufen. Selbsthilfemaßnahmen wie Tagesstruktur und Bewegung ergänzen – ersetzen aber keine fachliche Begleitung.
Depression ist in der Regel gut behandelbar.
Studien zeigen, dass die Kombination aus Psychotherapie und – wenn nötig – medikamentöser
Unterstützung durch einen Arzt oder Psychiater die besten Ergebnisse erzielt. ³

Was Sie selbst tun können – und wo die Grenze liegt
Es gibt Schritte, mit denen Sie sich selbst unterstützen können – besonders in leichten Phasen oder ergänzend zur Therapie:
Einen sanften Tagesrhythmus aufbauen: feste Aufstehzeit, kleine erreichbare Aufgaben
Kurze, machbare Bewegungseinheiten – ein paar Minuten draußen können reichen
Wenigstens eine Person ins Vertrauen ziehen statt alles allein zu tragen
Bewusst auf Alkohol und andere „Betäubungsstrategien" achten
Genauso wichtig ist zu wissen, wo Selbsthilfe nicht mehr reicht:
wenn Sie dauerhaft hoffnungslos fühlen, Ihren Alltag kaum noch bewältigen, Suizidgedanken auftauchen oder Angehörige sich Sorgen machen.
Das sind Zeichen, dass fachliche Unterstützung jetzt sinnvoll ist – nicht irgendwann.
Medikamente bei Depression – was Sie wissen sollten
Antidepressiva sind bei mittelgradiger und schwerer Depression wirksam, brauchen mehrere Wochen Anlaufzeit und wirken individuell unterschiedlich.
Sie machen nicht abhängig, müssen aber ärztlich begleitet und kontrolliert ausgeschlichen werden.
Viele Menschen suchen nach Informationen zu Medikamenten bei Depressionen – und sind gleichzeitig unsicher, ob sie „wirklich Antidepressiva brauchen“ oder ob Therapie allein reicht.
Fachlich gilt: Medikamente sind ein Baustein in der Behandlung von Depressionen, vor allem bei mittelgradigen und schweren Episoden, ersetzen aber keine Therapie und keine Veränderungen im Alltag.
Wann Medikamente bei Depression sinnvoll sein können
Bei leichter Depression empfehlen Leitlinien in der Regel zuerst Gespräche, Psychotherapie, Aktivierung und Selbsthilfe – auch Behandlung ohne Medikamente.
Antidepressiva kommen vor allem dann in Betracht, wenn eine Depression mittelgradig oder schwer ist, der Alltag deutlich eingeschränkt ist oder wenn frühere Episoden ohne Medikamente schwer verlaufen sind. Ob Depression-Medikamente im Einzelfall sinnvoll sind, entscheiden Sie sich immer für Ärzt:innen oder Psychiater:innen – idealerweise gemeinsam mit Ihnen.
Wirkung und Nebenwirkungen von Antidepressiva
Viele Betroffene suchen nach „ Depression Medikamente Liste “ oder dem „besten Medikament bei Depressionen“, hoffen auf ein Mittel, das schnell und ohne Nebenwirkungen hilft.
In der Realität wirken Antidepressiva bei vielen Menschen, aber nicht bei allen – und sie brauchen meist mehrere Wochen, bis sich eine spürbare Verbesserung zeigt. Wie stark sie wirken und welche Nebenwirkungen auftreten, ist individuell unterschiedlich und muss ärztlich überwacht werden.
Machen Antidepressiva abhängig?
Eine häufige Sorge ist: „ Machen Antidepressiva abhängig? “ oder „Besteht eine Suchtgefahr ?“ Antidepressiva machen nach aktuellem Wissen nicht abhängig im Sinne klassischer Suchtdrogen – es gibt kein „High“ und keinen Suchtdruck.
Dennoch sollte eine medikamentöse Behandlung immer einen langsamen Aufbau und kontrolliertes Ausschleichen haben, weil ein plötzliches Absetzen zu Absetzsymptomen und erneuter Ermüdung führen kann.
Rezeptfreie Medikamente gegen Depression – was ist realistisch?
Viele Menschen suchen nach „ rezeptfreie Medikamente gegen Depressionen “ oder „Antidepressiva rezeptfrei“, weil sie Angst vor einem Arzttermin haben oder sich nicht „krank genug“ fühlen. Pflanzliche Mittel, Nahrungsergänzung oder Vitaminpräparate können bei Beschwerden unterstützen, aber keine Behandlung einer echten Depression ersetzen und sind bei mittelschweren und schweren Verläufen nicht ausreichend.
Wenn Sie über längere Zeit unter deutlicher Erschöpfung, innerer Leere oder Suizidgedanken leiden, sollte die Frage nach Medikamenten bei Depression immer ärztlich geklärt werden – nicht allein über Produkte aus der Apotheke oder dem Internet.
Wie ich in meiner Praxis mit dem Thema Medikamente umgehe
Als Heilpraktikerin für Psychotherapie verschreibe ich keine Depressionsmedikamente und gebe keine Empfehlungen zur Dosierung oder konkreten Antidepressiva. Meine Arbeit konzentriert sich auf therapeutische Unterstützung, Nervensystem-Regulation und systemische Zusammenhänge – also auf alles, was Sie aktiv beeinflussen können, unabhängig davon, ob Sie Medikamente nehmen oder nicht.
Wenn Sie bereits Medikamente bei Depression einnehmen oder unsicher sind, ob Antidepressiva für Sie sinnvoll sind, können wir in der Therapie sortieren: Wie fühlen Sie sich damit? Was hat sich verbessert, was hat sich vielleicht verschlechtert? Welche Sorgen machen Sie sich hinsichtlich von Medikamenten?
Mit dieser Klarheit können Sie anschließend gut vorbereitet mit Ihrer Hausärztin oder einem Facharzt sprechen, ob die medikamentöse Therapie begonnen, angepasst oder beendet werden sollte. Antidepressiva können ein sinnvolles Werkzeug sein – aber sie wirken nicht bei allen, nicht immer gleich stark und nicht automatisch „richtig“, nur weil sie verschrieben wurden. Ein Teil der Menschen erlebt deutliche Erleichterung, ein Teil etwas, ein Teil praktisch gar nichts.
Das ist kein persönliches Scheitern. Leitlinien gehen ausdrücklich davon aus, dass ein relevanter Anteil der Betroffenen auf das erste Medikament nicht ausreichend anspricht – und empfehlen dann weitere Schritte: Dosisanpassung, Präparatewechsel, Kombination mit Psychotherapie, genauere Diagnostik.
Warum Medikamente so unterschiedlich wirken, hat mehrere Gründe: biologische Unterschiede im Stoffwechsel, Art und Schwere der Depression, zusätzliche Belastungen wie Trauma oder Angst, zu kurze Einnahmedauer – und fehlende Einbettung in ein Gesamtbehandlungskonzept. Medikamente sind Werkzeuge, keine Garantie.
Häufige Fragen zu Depression & Erschöpfung
Ab wann gelten Traurigkeit und Antriebslosigkeit als Depression und nicht mehr als „normale Phase"?
Traurigkeit und Antriebslosigkeit gehören zum Leben – sie sind noch keine Depression. Von einer depressiven Episode sprechen Fachleute erst dann, wenn mindestens zwei der drei Kernsymptome (gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Antriebsmangel) fast täglich über mindestens zwei Wochen auftreten und den Alltag deutlich einschränken.
Entscheidend ist das Muster: Wie lange dauert es? Wie viele Lebensbereiche betrifft es? Geht es auch nach Erholung nicht besser? Wenn Sie sich diese Fragen stellen – ist das bereits ein Zeichen, dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen.
Wie lange dauern depressive Episoden im Durchschnitt – und kommen sie immer wieder?
Eine depressive Episode dauert ohne Behandlung im Durchschnitt sechs bis acht Monate. Mit passender Therapie – Psychotherapie und gegebenenfalls medikamentöser Unterstützung – lässt sich diese Zeit deutlich verkürzen.
Ob eine Episode einmalig bleibt oder wiederkehrt, ist individuell verschieden. Nach einer ersten Episode besteht ein erhöhtes Risiko für weitere; wer frühzeitig Unterstützung annimmt und seine persönlichen Warnsignale kennt, kann Rückfällen besser vorbeugen.
Woran erkenne ich, ob ich ein Burnout oder eine Depression habe – besonders wenn beides ähnlich wirkt?
Der wichtigste Unterschied: Burnout beginnt meist arbeitsbezogen und bessert sich mit Abstand vom Job. Eine Depression betrifft alle Lebensbereiche – auch Urlaub bringt keine echte Erholung, weil die Schwere mitreist.
Zusätzlich kommen bei Depression typischerweise Hoffnungslosigkeit, anhaltendes Interessenverlust und manchmal Suizidgedanken hinzu. In der Praxis überlagern sich beide häufig – was die Abgrenzung schwer macht.
Wenn Sie unsicher sind: Ein Gespräch mit einer Fachperson schafft mehr Klarheit als jede Checkliste.
Kann aus einem Burnout eine Depression werden, wenn ich zu lange weitermache?
Ja.
Burnout und Depression sind keine getrennten Welten. Wer über Monate im Erschöpfungsmodus weiterarbeitet, ohne die Ursachen anzugehen, riskiert, dass sich das Nervensystem dauerhaft überlastet.
Und aus dem arbeitsbezogenen Erschöpfungszustand wird eine vollständige depressive Episode. Der Übergang ist fließend und wird von Betroffenen oft erst rückblickend erkannt.
Wie unterscheide ich normale Trauer nach einem Verlust von einer Depression?
Trauer ist eine natürliche Reaktion – keine Erkrankung. Trauernde können zwischendurch noch Freude empfinden, fühlen Verbundenheit mit dem Verlorenen, und die Gefühle schwanken.
Bei einer Depression bleibt die Leere konstant, betrifft alle Lebensbereiche und geht mit starkem Selbstwertverlust einher – unabhängig davon, ob ein konkreter Verlust vorausging.
Wenn Trauer über Monate anhält und sich vertieft statt zu lösen, kann sie in eine Depression übergehen – dann ist therapeutische Begleitung sinnvoll.
Welche unterschiedlichen Formen von Depression gibt es?
Depression ist nicht gleich Depression. Die häufigsten Formen im Überblick: Die leichte bis schwere depressive Episode unterscheidet sich nach Anzahl und Intensität der Symptome.
Bei der rezidivierenden depressiven Störung kehren Episoden im Laufe des Lebens wieder.
Die Dysthymie ist eine chronische, weniger intensive Form – die Betroffene oft als „immer schon so gewesen" erleben. Die Erschöpfungsdepression entsteht nach langer Überlastung.
Die hochfunktionale Depression zeigt sich nach außen kaum – Betroffene funktionieren, sind innerlich aber leer.
Und die Winterdepression tritt saisonal auf und bessert sich im Frühjahr. Welche Form vorliegt, klärt eine fachliche Diagnostik.
Wie hoch ist das Risiko, nach einer überstandenen Depression noch einmal rückfällig zu werden?
Das Rückfallrisiko steigt mit jeder Episode.
Nach einer ersten Episode kehrt die Depression bei etwa 50 % der Betroffenen wieder; nach zwei Episoden liegt das Risiko für eine dritte bei rund 70–80 %.
Das klingt beunruhigend – bedeutet aber auch: Wer die eigenen Warnsignale kennt und frühzeitig gegensteuert, kann Rückfälle abmildern oder verkürzen. Genau daran arbeiten wir in der Therapie.
Woran erkenne ich, ob ich eine Winterdepression oder „nur" schlechte Laune in der dunklen Jahreszeit habe?
Schlechte Stimmung im Winter ist weit verbreitet.
Von einer saisonalen Depression (Winterdepression) spricht man, wenn die Symptome – Antriebslosigkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis, Heißhunger auf Kohlenhydrate, gedrückte Stimmung – über mehrere Wochen anhalten, den Alltag einschränken und sich mit dem Frühjahr von selbst bessern.
Das Muster wiederholt sich typischerweise in aufeinanderfolgenden Jahren. Wenn Sie das von sich kennen: Lichttherapie zeigt bei dieser Form besonders gute Ergebnisse – und lässt sich gut selbst anwenden.
Was ist eine stille Depression?
Bei einer stillen Depression funktionieren Betroffene nach außen weiter – Arbeit, Familie, Alltag laufen scheinbar normal. Innerlich herrschen jedoch Erschöpfung, Leere und Freudlosigkeit. Weil die Erkrankung kaum sichtbar ist, bleibt sie oft jahrelang unerkannt und unbehandelt.
Was ist eine lächelnde Depression?
Eine lächelnde Depression beschreibt einen Zustand, bei dem Betroffene nach außen fröhlich und funktionsfähig wirken, innerlich aber unter Erschöpfung, Leere und Hoffnungslosigkeit leiden. Das Lächeln ist eine Schutzmaske – keine Verbesserung. Fachleute sprechen auch von einer hochfunktionalen Depression.
Was ist eine weiße Depression?
Eine weiße Depression beschreibt den Zustand emotionaler Taubheit: keine Traurigkeit, aber auch keine Freude – nur innere Leere und Gleichgültigkeit. Viele Betroffene beschreiben es als „Grau" oder „Watte". Gerade weil die typische Traurigkeit fehlt, wird diese Form der Depression häufig nicht als solche erkannt.
Was ist eine grundlose Depression?
Eine Depression braucht keinen erkennbaren Auslöser. Wenn anhaltende Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder Weinen auftreten, ohne dass ein konkreter Grund vorliegt, kann das Nervensystem dauerhaft überlastet sein.
„Grundlos" bedeutet nicht eingebildet – es bedeutet, dass die Ursache tiefer liegt als der Alltag zeigt.
Woher weiß man, dass man depressiv ist?
Wer sich fragt, ob er „nur" depressiv verstimmt ist oder bereits eine Depression hat:
Fachleute sprechen von einer depressiven Episode, wenn mindestens zwei der drei Kernsymptome – anhaltend gedrückte Stimmung, Interessenverlust und verminderter Antrieb – fast täglich über mindestens zwei Wochen auftreten. Der Alltag ist dann spürbar eingeschränkt.
Körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen oder Erschöpfung können frühe Hinweise sein.
Was sind die Frühwarnzeichen einer Depression?
Frühwarnzeichen sind oft das, was Betroffene als depressive Verstimmung beschreiben, bevor eine Diagnose gestellt wird.
Oft unspezifische Symptome: anhaltende Schlafprobleme, zunehmende Reizbarkeit, das Gefühl, sich auf nichts mehr freuen zu können, sozialer Rückzug und körperliche Beschwerden ohne medizinischen Befund. Wer merkt, dass diese Zeichen über Wochen anhalten und sich häufen, sollte das ernst nehmen.
Quellen & Literatur
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Kathleen Kunze
Dipl. Soz.-Päd. & HP Psychotherapie Ausgebildete Traumatherapeutin
Online-Begleitung & Praxis vor Ort

Zertifizierte Fachexpertise
- Traumatherapie: PITT©-Zertifizierung für Bindungs- und Entwicklungstrauma (ausgebildet direkt bei Prof. Dr. Luise Reddemann).
- Systemische Therapie: DGSF-zertifizierte Therapeutin.
- Mitgliedschaften: Deutsche Gesellschaft für Biofeedback e.V. & DGSF
Mein Fokus & besondere Erfahrung
- Themen: Begleitung bei Ängsten, Depressionen, Trauma und Fibromyalgie.
Ansatz: Mit fachlicher Tiefe und eigener Erfahrung vom Überleben zurück ins Leben finden. - Ansatz: Mit fachlicher Tiefe und eigener Erfahrung vom Überleben zurück ins Leben finden.
Erreichbarkeit
- Praxis vor Ort: Seewald-Schernbach (Region Freudenstadt, Nagold, Horb).
- Online-Therapie: Professionelle Video-Sitzungen für den gesamten deutschsprachigen Raum.
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